Wenn Du Dich ständig kleiner machst, als Du bist
„Das hätte auch jeder andere hinbekommen.“ „Ich hatte einfach Glück.“ „Wenn die wüssten, wie ich das wirklich mache, würden sie mich nicht mehr ernst nehmen.“ Solche Sätze höre ich in meiner Praxis fast täglich – meistens von Menschen, die auf dem Papier ausgesprochen erfolgreich sind. Gute Ausbildung, verantwortungsvoller Job, funktionierende Beziehung. Und trotzdem sitzt da drinnen eine Stimme, die nie ganz aufhört zu zweifeln.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bildest dir das nicht ein, und es liegt auch nicht daran, dass du „einfach mehr Selbstbewusstsein“ bräuchtest. Genau dieser gut gemeinte Ratschlag ist es, der die Sache oft noch schwerer macht.
Warum „sei doch einfach selbstbewusster“ nicht funktioniert
Selbstzweifel sind kein Charakterzug und keine Frage der Willenskraft. Es ist ein erlerntes Muster – meistens entstanden aus vielen kleinen, wiederholten Erfahrungen, oft schon aus der Kindheit oder Jugend. Ein Elternteil, das nie ganz zufrieden war. Eine Lehrkraft, deren Kritik hängen geblieben ist. Ein Umfeld, in dem Leistung nur mit Anstrengung, nie mit Freude verbunden war.
Diese Erfahrungen haben sich zu einer Art innerer Bewertungsinstanz verdichtet, die im Hintergrund mitläuft, ganz automatisch, ohne dass du aktiv daran denkst. Genau deshalb reicht es nicht, sich vorzunehmen, ab jetzt selbstbewusster aufzutreten. Das wäre so, als würde man versuchen, mit bewusster Anstrengung den eigenen Herzschlag zu verlangsamen – die Steuerung liegt schlicht nicht in dem Teil des Kopfes, der Vorsätze fasst.
Der Unterschied zwischen Auftreten und tatsächlichem Selbstwert
Viele Menschen, die zu mir kommen, wirken nach außen keineswegs unsicher. Sie können gut reden, halten Präsentationen, führen Teams. Genau das macht es für andere so schwer nachvollziehbar, wenn diese Person dann sagt: „Ich fühle mich wie ein Hochstapler.“ Die Fähigkeit, sich souverän zu präsentieren, und das innere Gefühl, tatsächlich genug zu sein, sind zwei völlig getrennte Dinge. Man kann das eine über Jahre trainieren, ohne dass sich am anderen etwas ändert.
Das ist auch der Grund, warum Rhetorikseminare oder Coachings, die nur am äußeren Auftreten ansetzen, bei tief sitzenden Selbstzweifeln oft an ihre Grenzen stoßen. Sie verbessern die Fassade, während der innere Kommentar im Hintergrund unverändert weiterläuft.
Warum positives Denken allein oft nicht reicht
„Sag dir doch einfach jeden Morgen, dass du gut genug bist.“ Auch dieser Ratschlag ist gut gemeint – und greift trotzdem meistens zu kurz. Affirmationen, die dem eigenen inneren Erleben widersprechen, werden vom Unterbewusstsein häufig eher als weiterer Beweis dafür gewertet, dass etwas nicht stimmt. Wer sich innerlich klein fühlt und sich dann sagt „ich bin großartig“, erzeugt oft eher einen inneren Widerspruch als echte Veränderung.
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht dadurch, dass man sich etwas Neues einredet, sondern dadurch, dass die zugrunde liegende, meist Jahre alte Bewertung selbst bearbeitet wird.
Wo Hypnose an dieser Stelle ansetzt
In der Hypnosetherapie arbeiten wir nicht daran, dir neue Sätze beizubringen, die du dir vorsagen sollst. Es geht darum, im Unterbewusstsein an die ursprünglichen Erfahrungen und Bewertungen heranzukommen, aus denen der Selbstzweifel entstanden ist – und diese behutsam neu einzuordnen. Häufig zeigt sich dabei, dass eine einzelne prägende Situation aus früheren Jahren bis heute nachwirkt, obwohl der bewusste Verstand sie längst für „erledigt“ hält.
Wenn sich diese Grundlage verändert, verändert sich meist auch das, was darauf aufbaut: weniger ständiges Vergleichen, weniger die Tendenz, eigene Leistungen kleinzureden, mehr Ruhe im Kontakt mit anderen Menschen – ohne dass man sich dafür anstrengen oder etwas Neues einüben müsste.
Was ich in der Praxis beobachte
In meiner Praxis in Ahrensburg, ebenso wie an meinem zweiten Standort in Lutterbek bei Kiel, ist Selbstzweifel eines der Themen, die selten allein kommen. Häufig hängt es eng mit Ängsten, mit beruflichem Druck oder mit einem ständigen Gefühl von „nie genug“ zusammen. Viele meiner Klientinnen und Klienten kommen aus Ahrensburg selbst, aber auch aus dem Hamburger Osten, aus Bargteheide oder Bad Oldesloe – und in der Kieler Region ebenso aus Kiel selbst wie aus dem Umland rund um Lutterbek.
Was mich dabei immer wieder erstaunt: Es sind oft nicht die Menschen mit den offensichtlichsten Problemen, die am meisten unter Selbstzweifeln leiden, sondern gerade diejenigen, die nach außen am „zusammengesetztesten“ wirken. Nach der Arbeit an den unbewussten Ursachen berichten viele davon, dass sich zum ersten Mal seit Langem etwas anfühlt wie: einfach nur ich selbst sein zu dürfen, ohne mich ständig zu beweisen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle psychotherapeutische oder ärztliche Einschätzung. Anhaltende Selbstzweifel können auch Ausdruck einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung sein – in diesem Fall ist immer zuerst eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll. Als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeite ich ergänzend, nicht anstelle einer solchen Behandlung. Hypnose kann unterstützend wirken, aber keine bestimmten Ergebnisse garantieren.